Einmal Barcelona und zurück!

Autor: J. Budesheim
7. Januar 2012

Die Entscheidung, während meines Studiums ein Semester lang im Ausland zu studieren, stand für mich vom ersten Tag an fest. Allerdings drängte sich irgendwann die Frage auf: wann genau und wohin möchte ich eigentlich? Durch einen Vortrag in der Veranstaltung Grundlagen des Rechts bin ich das erste Mal auf die UPF, die Universitat Pompeu Fabra in Barcelona, aufmerksam geworden. Vor einigen Jahren war ich für ein paar Tage in Barcelona, das mir seit dem so gut gefallen hat, dass ein Trimester dort doch bestimmt das Richtige wäre. Der erste Schritt in Richtung Spanien führte mich also zunächst zu Herrn Prof. Dr. von Wangenheim, den Ansprechpartner für alle, die ein Auslandssemester an der UPF verbringen wollen.

Nachdem ich von Herrn von Wangenheim und der UPF das Okay bekam, musste ich mich um die Finanzierung kümmern. Dazu habe ich mich bei dem Erasmus Programm angemeldet, durch das mir die Studiengebühren erlassen wurden und ich einen monatlichen „Mobilitätszuschuss“ erhielt.

Ansonsten galt es nur noch das Learning Agreement und einige Formulare auszufüllen. Die für das jeweilige Trimester von der UPF angebotenen Kurse sind dazu auf der Homepage einsehbar. Ich musste mir also nur noch die für mich interessanten Vorlesungen heraussuchen und diese im Learning Agreement festhalten. Organisatorisch hielten sich die Vorbereitungen also in Grenzen.

Angekommen in Barcelona hieß es erst einmal: Wohnungssuche! Da die Studentenwohnheime schon sehr schnell ausgebucht waren und ich nicht von zu Hause aus ein Zimmer mieten wollte, blieb mir nichts anderen übrig, als dies vor Ort zu erledigen. Zum Glück hatte ich für die ersten paar Tage ein Zimmer im Hostel gebucht, aber bis zum Unianfang wollte ich etwas Passendes gefunden haben. Bei der Menge an Angeboten war es für mich aber kein Problem, innerhalb kurzer Zeit ein schönes, helles Zimmer in einer WG zu finden, in der ich bis zum Ende mit vier internationalen Studenten gelebt habe.

Die Uni begann für uns Erasmusstudenten mit der „Welcome Week“, die aus Infoveranstaltungen der Uni auf der einen und aus Stadtführungen, Kennenlernveranstaltungen und Parties des „Erasmus Student Network“ (ESN) auf der anderen Seite bestand. Dadurch war es unglaublich einfach, schon vor offiziellem Unistart nette Leute kennenzulernen.

UPFDer eigentliche Start in den Unialltag war dann schon etwas stressiger. Am ersten Tag bekam man die Nachricht, in welche Kurse man eingeschrieben war. Da die Kooperation zwischen dem IWR und der juristischen Fakultät der UPF besteht, war ich in der Rechtsfakultät eingeschrieben. Somit war ich ausschließlich in die rechtswissenschaftlichen Fächer, die ich vorher gewählt hatte, eingeschrieben worden. Zwar war es in der darauf folgenden add & drop period noch möglich, Kurse ab- bzw. hinzuzuwählen. Doch ob man den Platz in dem Kurs einer anderen Fakultät bekam, hing davon ab, wie viele Plätze in dem jeweiligen Kurs am Ende noch übrig waren. Ich wollte beispielsweise Marketing belegen, die Chancen standen allerdings nach Aussage des Koordinators auf Grund der Beliebtheit des Faches mehr als schlecht. Als ich mich dann nach Abschluss der endgültigen Kurswahl noch einmal danach erkundigte, war ich auf einmal eingeschrieben. Auch wenn es also manchmal etwas drunter und drüber geht, kann ich jedem nur raten, hartnäckig zu bleiben!

Am Ende habe ich zwei Kurse auf Spanisch und zwei auf Englisch belegt. Zu den Spanisch Kursen ist anzumerken, dass diese, obwohl als „castellano“ ausgewiesen, zum Teil auf „catalán“ abgehalten werden. Sogar wenn der Professor Spanisch spricht kann es sein, dass die Studenten auf Katalanisch antworten und man von den nächsten zehn Minuten Vorlesung nichts versteht. Obwohl Spanisch und Katalanisch verwandte Sprachen sind, sind es dennoch zwei ganz unterschiedliche. Am Anfang war es frustrierend, wenn die Sprache immer wieder von den Studenten gewechselt wurde, besonders dann, wenn diesen bewusst war, dass Austauschstudenten im Kurs waren, die kein Katalanisch sprechen. Allerdings gewöhnt man sich schnell an den Sprachmix, vor allem wenn man versteht, dass manche Katalanen ihre Sprache nicht nur aus Nationalstolz dem Spanischen vorziehen, sondern auch aus dem einfachen Grund, dass sie sich im Katalanischen viel wohler fühlen. Denn obwohl Katalonien offiziell zweisprachig ist und fast alle Einheimischen beide Sprachen fließend sprechen, gibt es viele, die eine der beiden Sprachen besser beherrschen. So sprechen die Studenten in der Uni unter sich fast immer Katalanisch, kommt man als Ausländer hinzu wird aber meistens auf Spanisch gewechselt. Generell sind die einheimischen Studenten dabei mehr als hilfsbereit was Übersetzungen, Vorlesungsnotizen und Hilfestellungen bei sonstigen Problemen angeht – man muss einfach nur nachfragen!

Zum Workload an der Uni ist vielleicht noch zu sagen, dass man nicht mit der Erwartung eines reinen Urlaubssemesters an die UPF gehen sollte. Neben der Vorlesung gibt es Seminare, die am ehesten mit Tutorien zu vergleichen sind. Dort muss das vorher theoretisch gelernte in Form von Essays oder Vorträgen praktisch angewandt werden. Dabei besteht in vielen Fällen Anwesenheitspflicht und die mündliche Beteiligung wird benotet. Dafür ist die Qualität der Vorlesungen aber durchgehend sehr hoch und der Inhalt wird interessant vermittelt.

Abgesehen davon machen natürlich auch außeruniversitäre Aktivitäten einen großen und wichtigen Teil des Aufenthalts aus. Dazu kann ich sagen: Barcelona ist eine extrem schöne und interessante Stadt. Irgendwas passiert immer! BarcelonaZu jeder Tages- und Nachtzeit sind Leute auf der Straße und diskutieren lauthals, trinken ein Estrella und feiern sich und das Leben – überhaupt scheinen die Spanier immer einen Grund zum Feiern zu haben. Zu Anfang meines Aufenthalts fand beispielsweise die Festes de la Mercè statt; ein Wochenende lang gab es an jeder Ecke Barcelonas Umzüge, gratis Konzerte, Feuerwerke und und und. Aber auch wenn gerade kein besonderer Feiertag ist, können die Katalanen feiern. Zum Ausgehen ist garantiert für jeden Geschmack etwas dabei – von super schicken Discos bis hin zu extrem alternativen Bars (wobei anzumerken ist, dass die „Einheimischen“ eher in letzterem zu finden sind). Auch gute Restaurants gibt es mehr als genug. Dabei sind meistens solche die besten gewesen, denen man es am wenigsten angesehen hat. Neben Tapas-Bars gibt es so auch sehr gute typisch katalanische Restaurants, die im Gegensatz zu Restaurants im Zentrum wenig bis gar nicht touristisch geprägt waren.

Natürlich bietet die Stadt auch kulturell einiges, und dabei machen bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Sagrada Familia und andere Werke Gaudís nur einen kleinen Teil des Angebots aus. Park GüellDie meisten Museen sind an einem Tag im Monat gratis und oft gibt es einen Nachlass für Studenten. Als Nachweis für alle Nachlässe reicht der Studentenausweis der UPF; einen internationalen Studierendenausweis braucht man deshalb meiner Meinung nach nicht.

Nicht zu vergessen ist auch der Strand! Wider Erwarten ist dieser sehr schön und – wenn man nicht zu der Touristenhochburg bei Barceloneta geht, auch nicht zu überlaufen. Dabei gilt wie immer: je weiter man aus dem Stadtzentrum rausfährt, desto schöner wird’s.

 

Abschließend kann ich sagen, dass – obwohl wahrscheinlich jedes Auslandssemester mit einigen Tücken und Herausforderungen versehen ist – ich jedem nur empfehle, diese einmalige Chance wahrzunehmen. Nie wieder wird es einem so leicht gemacht, eine Zeit lang im Ausland zu leben, mit den Einheimischen zu studieren und Freunde auf der ganzen Welt zu finden. Neben jede Menge neuen Eindrücken bekommt man das Leben, die Kultur und Sprache einer Stadt und eines Landes hautnah mit, was diese Erfahrung zu mehr macht als einen weiteren Punkt im Lebenslauf. Für mich war das Trimester in Barcelona eine unglaublich bereichernde, interessante und erlebnisreiche Zeit, die ich nicht missen möchte!

Wer jetzt Lust bekommen hat, an der UPF oder einer anderen Uni um Ausland zu studieren, findet hier weitere Informationen.