Freie Rede, Argumentation & Co – Das Rhetorik-Zertifikat

Gastautor: S. Weber
18. April 2016

Für Akademiker ist es wichtig, dass sie sich verbal gut ausdrücken können und in der Lage sind frei zu sprechen. Das Studium bereitet hierauf in Rahmen von Präsentationen in einigen Veranstaltungen vor. Um zu üben und sich vorzubereiten, sind die Rhetorik-Kurse von ProStudium sehr hilfreich. Angeboten werden die Bereiche „Freie Rede“, „Argumentation“ und „Effektive Gespräche führen“. Wer alle drei Kurse absolviert, darf am öffentlichen Redewettstreit teilnehmen und erhält im Anschluss das Rhetorikzertifikat. Jeder der Workshops umfasst drei Tage zu jeweils ca. sieben Stunden, welche zügig verfliegen, da man durchgehend aktiv ist. Es steht einem frei, ob man alle Kurse macht oder nur einen oder zwei, gleiches gilt für die Reihenfolge, wobei jedoch die oben aufgeführte Reihenfolge Sinn macht. Geführt werden die Workshops von externen oder internen, geschulten Kommunikationsprofis. Die Kursteilnehmer entspringen ganz verschiedenen Fachbereichen und haben ebenfalls unterschiedliche „Rhetorik-Niveaus“, welche sich gegen Ende der Kurse jedoch stark angleichen. Die Kurse laden zum Ausprobieren ein und machen Lust auf mehr. Der jeweilige Kurs wird mit einer schriftlichen Selbstreflexion und einer Form von verbalem Vortrag abgeschlossen.

Der erste Workshop „Freie Rede“ spricht diejenigen an, die sich vor allem in der Präsentation üben wollen. Es werden sowohl die Grundlagen rhetorischen Sprechens als auch die praktische Umsetzung von Kurzvorträgen vorgestellt. Man lernt wie man in fünf Schritten eine Rede erarbeitet, mit Lampenfieber umgeht und mit Medien präsentiert. Weiter erhält man viele Tipps zur sicheren Körperhaltung, zur Mimik und Gestik sowie zum Blickkontakt und dem verständlichen Sprechen. Das Gelernte wird im Anschluss direkt selbst angewandt. Hierfür bereitet man eine kurze Rede (zu einem selbstgewählten Thema) innerhalb einer Kleingruppe vor (je nach Teilnehmerzahl drei bis fünf Personen). Die Gruppenmitglieder bewerten den Vortrag und geben konstruktive Kritik, die man in der anschließenden Rede vor allen Kursteilnehmern umsetzen kann. Um selbst ein gutes Bild von sich zu erhalten, wird der letzte Vortrag auf Video aufgenommen und beim daraufhin folgenden Anschauen von dem Kursleiter bewertet.

Der Workshop „Argumentation“ bringt näher, wie man geeignete Argumente findet, diese in eine angemessene sprachliche Form bringt und sie anschließend richtig in einer Rede positioniert. Ebenso dreht sich der Workshop darum wie man die Argumentation seines Gegenübers in eine für sich positive Richtung lenkt, indem man dessen Herangehensweise analysiert, infrage stellt und angreift. Dazu ist es wichtig, dass man Argumentationsziele, -gründe und -schemen kennt und erkennt sowie Argumentationspläne wirkungsvoll einsetzt. Auch hier wird zum Ende des Kurses eine Videoaufzeichnung vorgenommen. Hierbei handelt es sich um eine amerikanische Debatte, d.h. dass die Gruppe geteilt wird und man über ein zuvor über Abstimmung gewähltes Thema diskutiert. Als ich an dem Kurs teilgenommen habe, ging es um die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn. Jeder Teilnehmer ist dazu in einer Rolle geschlüpft, z.B. Politiker, Umweltaktivist usw. und hat diese möglichst überzeugend mit geeigneten Argumenten ausgeschmückt.

Der dritte Workshop „Effektive Gespräche führen“ dreht sich ganz um das Gespräch miteinander. Das Ziel ist ein Gespräch, das beide Parteien zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führt. Dabei wird auf Gesprächstechniken aus den vorangegangenen Workshops zurückgegriffen, doch auch neue Strategien zeigen, wie man bei einer hitzigen oder emotionalen Diskussion einen klaren Kopf bewahrt, den roten Faden nicht aus den Augen verliert, seine eigenen Meinung vertritt, dabei jedoch ebenfalls auf die Meinung des Gegenübers eingeht. Zum Kursabschluss wird die Gruppe in Paare aufgeteilt, welche dann zu einem selbstgewählten Thema ein Gespräch vor den restlichen Teilnehmern führen. Meine Partnerin und ich haben über den Einfluss von Facebook auf das soziale Leben diskutiert, wobei jede vorab einen abgesprochenen Standpunkt eingenommen hatte.

Wer nun alle Workshops absolviert hat, hat die Möglichkeit seine gewonnenen rhetorischen Kenntnisse mit dem Rhetorikzertifikat zu krönen. Dafür muss man an einem öffentlichen Redewettstreit teilnehmen, welcher jedes Semester angeboten wird. Die Teilnehmer bereiten dazu ein Thema vor und präsentieren es vor einer öffentlichen Gruppe. Diese besteht meistens aus den restlichen Teilnehmern des Redewettstreits und einer Jury. Dass Leute kommen, die mit dem Zertifikat nichts zu tun haben, ist selten. Häufig werden die Teilnehmer der letzten Jahre eingeladen. Nach den Vorträgen der Teilnehmer, zieht die Jury sich zurück und verkündet im Anschluss die Platzierung. Die Plätze eins bis drei gewinnen dabei jeweils einen Preis, z.B. einen Gutschein von Unibuch, einen USB-Stick, Kugelschreiber usw. . Die besten Drei können im kommenden Semester als Profis dann Teil der Jury sein. Da die Teilnehmer verschiedene fachliche Hintergründe haben und zu einem Thema referieren, welches sie persönlich interessiert, hat der Redewettstreit Präsentationen zu bieten, die thematisch, aber auch sprachlich, zum Nachdenken anregen und somit einen Besuch wert sind.