Herzlich Willkommen, Herr Prof. Dr. Hornung!

Autor: S. Speer
1. Oktober 2015

Zum diesjährigen Wintersemester begrüßen wir ein weiteres Gesicht am Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel. Herr Prof. Dr. Hornung, der Rechtswissenschaften und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und seinen Master (LL.M.) an der University of Edinburgh studiert hat,  war zuletzt von 2011 bis 2015 als Professor für Öffentliches Recht, IT-Recht und Rechtsinformatik an der Universität Passau tätig.

Foto: Weichselbaumer/ Universität Passau

Nun wird er am IWR die vorgezogene Nachfolge von Herrn Prof. Dr Roßnagel antreten, bei dem er bereits 2005 seine Dissertation über das Thema “Die digitale Identität. Rechtsprobleme von Chipkarten-ausweisen: digitaler Personalausweis, elektronische Gesundheitskarte, JobCard-Verfahren” gechrieben hat. Von 2006 bis 2011 war Herr Prof. Hornung zudem Geschäfts-führer der Projektgruppe verfassungs-verträgliche Technikgestaltung und Habilitand bei Herrn Prof. Roßnagel. Die nächsten Semester werden beide parallel an unserem Institut lehren und forschen.

In den folgenden Interviewfragen hat Herr Prof. Hornung uns einige  interessante Dinge zu seiner Person und seinem Fachgebiet verraten – lest selbst!

Kassel Law: „Wie sind Sie vom Sandkasten zu Ihrem eigenen Lehrstuhl gekommen?“

Herr Prof. Hornung: „Ich habe mich schon im Sandkasten mit den Grundfragen des öffentlichen Rechts beschäftigt…Spaß beiseite: Durch unendlich viele Zufälligkeiten bei der Auswahl des Studienfachs, bei der Chance zur Promotion und bei den weiteren akademischen Schritten. Durch die Förderung vieler Menschen in Familie, Schule und Wissenschaft. Und durch eine Menge Arbeit, die nur möglich war, weil mein Fach mich – bei allem manchmal nervigen Alltagsgeschäft – jeden Tag aufs Neue interessiert und begeistert.“

KL: „Was bedeutet es für Sie, Professor zu sein?“

Hornung: „Ich genieße die Kombination aus Wissenschaft und akademischer Lehre. Die Wissenschaftsfreiheit ist manchmal ein Fluch, weil es so unendlich viele spannende Fragen gibt und man deshalb dazu tendiert, sich zu viel aufzuladen. Aber kein anderer Beruf bietet auch nur annähernd vergleichbare Möglichkeiten, Dinge zu Ende denken zu können. Das gilt auch für die Lehre. Natürlich muss man hier auch mal Grundlagen vermitteln, die nicht jedermann Spaß machen. Was aber Spaß macht ist, echtes Interesse zu wecken und das eigene Fach in größere, auch gesellschaftliche Zusammenhänge zu stellen. Und dann gibt es da noch eine übergreifende Klammer: Ich finde, man sollte sich weder als Forscher noch als Lehrender jemals als „fertig“ begreifen. Und die Universität ist der beste Platz, um sich immer wieder zu hinterfragen und dazuzulernen.“

KL: „Was haben Sie am meisten an Ihrer Studienzeit genossen?“

Hornung: „Genossen habe ich beides: die tollen Möglichkeiten, die Freiburg und das Dreiländereck für studentisches Leben bieten, und die große Bandbreite der akademischen Angebote. Für mich hat sich an der Universität eine neue Welt aufgetan, die ich etwas mäandernd ausschöpfen durfte: neben dem Jura-Studium ein halbes Grundstudium in Philosophie, Ausflüge in die Rechtsgeschichte und die Kriminologie, schließlich Europa- und Völkerrecht, bevor ich ganz am Ende im IT-Recht eine Bleibe gefunden habe. Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob man heute noch so studieren könnte.“

KL: „Was sind für Sie die spannendsten drei Fragen ihres Fachgebiets?“

Hornung: „Das kann man nicht in drei Fragen zusammenfassen, weil es wirklich sehr viele spannende Probleme gibt. Wenn man etwas herausgreifen möchte, dann vielleicht Tempo, Interdisziplinarität und Gesellschaftsbezug. Erstens sind sowohl das IT-Recht als auch das Umweltrecht dadurch geprägt, dass sich ihr Gegenstandsbereich unglaublich schnell verändert. Daraus resultiert das Problem, wie das Recht mit dieser Geschwindigkeit mithalten kann. Das ist keine ganz kleine Aufgabe, weil der politische Prozess ja aus gutem Grund auch eine gewisse Trägheit aufweist. Zweitens erfordern beide Bereiche die Zusammenarbeit mit Nicht-Juristen, weil man ohne ein erhebliches Verständnis technischer Umstände Gefahr läuft, sich im eigenen juristischen Saft zu verrennen. Es ist manchmal mühsam, da eine gemeinsame Sprache zu finden – aber immer spannend. Drittens reichen die Fragen der Informationsgesellschaft und der Auswirkungen des Menschen auf seine Umwelt immer über das Recht hinaus in die Gesellschaft. Man sollte sein eigenes Fach zwar nie zu wichtig nehmen, aber es geht schon häufig um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.“

KL: “In welchen Lehrveranstaltungen können wir Studierenden Sie zukünftig in Bachelor/ Master antreffen?”

Hornung: „In den Grundlagen des öffentlichen Rechts sowie in zwei Spezialgebieten, nämlich zum einen im IT-Recht, also etwa elektronischer Rechtsverkehr oder Datenschutzrecht, zum anderen in verschiedenen Veranstaltungen des Umweltrechts.“

KL: „Wenn ich bei Ihnen meine Abschlussarbeit schreiben möchte, was erwartet mich und was erwarten Sie von mir?“

Hornung: „Es erwarten Sie spannende, aktuelle Fragen aus dem IT- und Umweltrecht, für die es vielfach noch keine „herrschende Meinung“ gibt, sondern nur erste Diskussionen der Wissenschaft und erstinstanzliche Urteile. Die erste Erwartung an Sie ist, dass Sie sich selbst Gedanken zu einem solchen Thema machen und dieses in Abstimmung mit mir formulieren. Die weitere Betreuung wird von beiden Seiten gesteuert und kann sehr unterschiedlich intensiv erfolgen.“

KL: „Was mögen Sie an Tagungen und Konferenzen am meisten?“

Hornung: „Vorträge und Kaffeepausen. Bei beiden kommt es sehr auf die Qualität an. Je besser die Vorträge und die Vortragenden sind, desto mehr Anregungen für meine eigene Arbeit nehme ich mit. So ist zum Beispiel die ursprüngliche Idee meines Habilitationsthemas auf einer Tagung in Oslo entstanden, obwohl beide nur sehr am Rande etwas miteinander zu tun haben. Bei den Pausen muss man etwas aufpassen, nicht zu sehr der etwas zynischen Haltung nachzugeben, dass diese das wichtigste an Tagungen sind. Aber natürlich fährt man auch dorthin, um sich mal wieder in Ruhe mit Kollegen auszutauschen. Dafür sollte jede Veranstaltung genug Raum geben – und auf die Qualität des Kaffees achten.“

KL: „Eine letzte Frage – Wenn Sie nicht gerade im Büro sind, findet man Sie am ehesten wo?“

Hornung: „In meinem Garten, hinter einer Tageszeitung – oder beim Tango Argentino.“

 

Im Namen des gesamten Teams von Kassel Law danke ich Herrn Prof. Hornung für die freundliche Beantwortung dieses Interviews und wünsche ihm einen guten Start als Professor am IWR.