Mein Auslandssemester in Wien II – Die WU

Autor: G. Reichardt
16. Februar 2010

img_5975Nachdem ich eine gute Ankunft in Wien hatte und die ersten Wochen vorüber waren, in denen es Zeit gab, die Stadt und die neue Umgebung zu entdecken (mehr dazu hier), begann so langsam der Ernst des Lebens – das eigentliche Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Die WU ist eine von 9 Universitäten in Wien und bietet – wie der Name schon verrät – insbesondere Studiengänge mit einem wirtschaftswissen-schaftlichen Schwerpunkt an. Von den etwa 135000 Studenten in Wien studieren etwas mehr als 25000 an der WU, womit die WU noch ein wenig größer als die Uni Kassel ist. Der Campus ist nördlich vom Stadtzentrum gelegen und mit der U-Bahn in wenigen Minuten sehr gut zu erreichen.

Das Vorlesungsangebot an der WU ist sehr umfangreich, sodass man sich genügend Zeit nehmen sollte, um sich einen Überblick zu verschaffen. Es werden teilweise vertiefende Lehrveranstaltungen zu spezifischen Wirtschaftsbereichen angeboten, sodass für jedes Interesse etwas Passendes dabei sein sollte. Detaillierte Informationen zu den angebotenen Lehrveranstaltungen sind im Vorlesungsverzeichnis der WU zu finden. Es werden Vorlesungen sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache angeboten, zudem gibt es verschiedene Formen von Lehrveranstaltungen. So gibt es neben wöchentlich stattfindenden Veranstaltungen auch Kurse, die nur über jeweils ein halbes Semester angeboten werden sowie zahlreiche Blockseminare. Durch die geographische Nähe wird in unterschiedlichen Lehrveranstaltungen außerdem ein Bezug zum osteuropäischen Wirtschaftsraum thematisiert. Wer also Interesse hat, seine Kenntnisse dahingehend zu erweitern, dem sein ein Studium an der WU empfohlen.

img_5919Hat man sich einmal für die Kurse entschieden, die man besuchen möchte, kann eine Anmeldung online erfolgen. Für Austauschstudenten gibt es dabei eine Anmeldefrist, die vor der Frist für reguläre WU-Studenten beginnt. Die Chancen, einen Platz in den ausgewählten Lehrveranstaltungen zu bekommen sind sehr verschieden. So ist es empfehlenswert, die Anmeldung direkt zu Beginn der Frist vorzunehmen, da das Kontingent für Austauschstudenten bei einigen beliebten, vor allem englischsprachigen Vorlesungen, sehr schnell erschöpft ist. Sofern eine Anmeldung im System jedoch nicht gleich erfolgreich ist, solltet ihr einfach dem Dozenten eine Mail schreiben, oftmals kann eine Anmeldung dann direkt auf diesem Wege erfolgen. Letztendlich gab es für mich keine Probleme an allen von mir gewünschten Vorlesungen teilzunehmen.

Ich habe das Semester in Wien genutzt, um Veranstaltungen mit einem Schwerpunkt im Medien- und Kulturbereich zu besuchen, die in dieser speziellen Form in Kassel nicht angeboten werden, da entsprechende Schwerpunkte an unserer Uni nur in begrenztem Umfang belegt werden können. So habe ich beispielsweise ein Seminar zum Thema „Kunst- und Kulturökonomik“ besucht und mich mit „Medienwissenschaftlichen Ansätzen in der Ökonomie“ beschäftigt. Im juristischen Bereich habe ich Kurse zum Immaterialgüter- und Medienrecht gewählt und dabei nicht nur viel über das österreichische Recht erfahren. Denn gerade die Beschäftigung mit dem Rechtssystem eines img_5953anderen Landes hat mir zugleich auch einen neuen Blick auf die eigene Rechtsordnung eröffnet. Insbesondere im Bereich des Urheberrechts war es für mich spannend zu sehen, dass sich die grundsätzlich ähnlichen Urheberrechtsregelungen der beiden Länder doch gerade in Feinheiten erheblich unterscheiden und das so manche Regelung im deutschen Gesetz, die für mich bisher eine Selbstverständlichkeit war, doch eher eine Ausnahme im internationalen Vergleich darstellt.

Ich hatte in Wien außerdem das Glück, dass in all meinen gewählten Kursen nur sehr wenige Teilnehmer (6 bis maximal 24) waren. Das war einerseits hilfreich, um schnell zu anderen Studenten Kontakte zu knüpfen, andererseits führte das zu einer meist sehr ausgeprägten Diskussionsatmosphäre. Gerade diese Diskussionen haben mir oftmals sehr interessante Perspektiven gezeigt und auch die Argumentationsweise anderer Wissenschaftsbereiche (insbesondere der Sozial- und Kulturwissenschaften) zugänglich gemacht.

Neben den regulären Vorlesungen kann man zudem verschiedene Sprachkurse besuchen. Auch hier gibt es ein breites Angebot, das ebenfalls detailliert im Vorlesungsverzeichnis der WU aufgeführt ist. Eine weitere gute Möglichkeit, seine Sprachkenntnisse zu verbessern ist das Tandem-Programm, bei dem sich Studenten verschiedener Muttersprachen treffen und die jeweils andere Sprache voneinander lernen. Eine Anmeldung zum Tandem-Programm erfolgt ebenfalls zu Beginn des Semesters.img_5923

Nun habt ihr also alles aus meiner Sicht Wissenswerte über die WU erfahren – sollten weitere Fragen offen sein, schreibt mir einfach! Ein kleiner Bericht zum Leben in Wien außerhalb der Uni wird dann in einem letzten Teil meines Erfahrungsberichts in ein paar Tagen folgen…