Merktechniken und Gedächtnistraining – ein Workshop mit viel Wissen

Gastautor: J. Matys
19. November 2015

Am 05.11.2015 hielt Daniel Jaworski – Deutschlandrekordhalter im Zahlen merken – einen Workshop mit Studierenden unterschiedlicher Studiengänge. 30 – 50 Nachkommastellen der Zahl Pi in nur zwei Minuten? Das schien den Teilnehmern am Anfang des Workshops vollkommen unmöglich. Sie boten 15 Minuten und als sie hörten, dass das in ein bis zwei Minuten möglich ist, mochten sie es nicht glauben. Doch wie ist das möglich? Ist es pures Auswendiglernen oder steckt da ein bestimmtes System hinter?

Unser Gehirn teilt sich in zwei Gehirnhälften – wobei die rechte Hälfte für Phantasie, und die linke Hälfte für das rationale Denken verantwortlich sind. Es gibt dabei zwei Arten von Wissen: Faktenwissen. Dieses bleibt kurz in unserem Gehirn. Wer kennt das nicht? Man geht morgens aus dem Haus, um zur Uni zu gelangen und ganz plötzlich fragt man sich: “Hab ich abgeschlossen?”. Genau solche Informationen gehören zu dem Faktenwissen. Die andere Art ist das Verstehenswissen oder auch Prozesswissen. Dies kommt und bleibt nur mit ständiger Wiederholung. Genau hier ist der erste Punkt, den man beachten muss, wenn man sich viele Informationen auf einmal merken soll. Wiederholung ist der Schlüssel zum Verstehenswissen. Dadurch, dass wir bestimmte Informationen immer wieder aufgreifen, wandert diese Information vom Kurzzeitgedächtnis über bestimmte Stufen zum Langzeitgedächtnis und bleibt dort ewig gespeichert. Weiterhin gibt es noch die drei Säulen der Merktechnik: Die erste Säule ist das Denken mit Bildern. Wenn unser Gehirn Bilder sieht, dann können wir uns bestimmte Informationen besser merken. Die zweite Säule ist die Assoziationskraft oder auch die Phantasie. Zur dritten Säule gehört die Verbindung. Die Verbindung von Informationen und Bildern beispielsweise. Man kann dabei die Dinge auf eine lustige Art und Weise verbinden. Unser Gehirn merkt sich am besten abstrakte Sachen – solche, die eben außergewöhnlich sind.

Doch in welchen Abständen sollte man wiederholen? Nehmen wir an man hört vormittags eine Vorlesung. Dann sollte man den Stoff nach 3-4 Stunden sofort wiederholen. Nach drei Tagen sollte man wieder den gelernten Stoff aus der Vorlesung wiederholen. Dann nach einer Woche, nach 3 Wochen, nach 3 Monaten und nach 6 Monaten. Genau dann ist diese Information im Langzeitgedächtnis gespeichert und wir können bestimmte Informationen – wann immer wir wollen bzw. brauchen- abrufen. Auch die Naturgesetze auf den Kopf stellen hilft, weil es eben außergewöhnlich ist. Zum Beispiel: Wie verbinde ich die Wörter Handy und Baum? Ich stelle mir einfach vor, dass an einem Baum Handys wachsen. Diese Information ist so außergewöhnlich, dass man sich dies merkt.

Bei der Assoziationskraft kommt es darauf an, was wir mit einem bestimmten Wort oder einer Information verbinden. Dabei ist die erste Assoziation die stärkste (Bsp.: Das Wort Streik. Man verbindet damit z.B. die Deutsche Bahn oder die Lufthansa). Auch die Körperroute kann helfen, sich bestimmte Fachbegriffe oder Informationen zu merken. Dabei nummeriert man die Körperteile durch. (Kopf=1, Hals=2,…). Dann kommen die Fachbegriffe dazu, wie z.B. Desoxyribunukleinsäure. Man weiß dabei, dass mein Kopf aus lauter Zellen besteht und darin gibt es eine Säure, die Desoxyribunuklein heißt. Und schon hat man sich einen Fachbegriff gemerkt. Immer wenn man die Begriffe wiederholt, läuft man die Route entlang und weiß ganz genau, welches Körperteil zu welchem Begriff gehörte. Es ist dabei egal, was man für eine Route nimmt. Es kann auch das eigene Zimmer oder ein anderer Gegenstand sein. Das wichtigste bei einer solchen Route ist nur, dass die einzelnen Punkte unterscheidbar sind und ein Muster haben. Bei Räumen nennt man dies die LOCI-Technik.

Eine andere Geschichte ist, wie man sich Zahlen merkt. Jeder kennt das: Man lernt Prüfschemata und es gibt zahlreiche Paragraphen, die man sich merken soll. Dabei kann man ein Zahlbildsystem zur Hand nehmen. Man stelle sich die zahlen 0-9 vor und dazu Bilder. Beispielsweise ist das Bild für die Zahl 1 eine Kerze, weil diese gerade ist und gut mit einer 1 assoziiert werden kann. Oder die Zahl 9 als Kegel. Wenn man Kegeln geht, dann gibt es 9 Kegel. So kann man sich für jede Zahl (0-9) eine Assoziation herleiten. Diese Methode ist besonders gut dafür, um sich Paragraphen oder historische Daten zu merken.

Die nächste Methode ist das Major-System oder auch Master-System. Es ist das stärkste Zahlensystem, mit dem man sich bis zu 50 3-stellige Paragraphen in wenigen Minuten einprägen kann. Das Major-System hat einen festgelegten Code:

Major-System
Major-System

 

In dieser Abbildung sieht man für jede Zahl festgelegte Konsonanten. Hat man jetzt eine Zahlenfolge (z.B. 434), entnimmt man einen Buchstaben und reiht diese aneinander. Die Lücken füllt man mit beliebigen Vokalen. Dabei ist zu beachten, dass Doppelkonsonanten nicht zählen. Ein Beispiel für §434 BGB (Sachmangel) ist:  4   3   4

RöMeR

Und so kann man sich lauter Paragraphen merken. Die Verknüpfung dabei wäre z.B. man stellt sich vor, dass die Römer damals bei ihren Schutzschildern, die sie im Kampf benutzt haben, immer einen Sachmangel hatten. „Phantasie“ ist dabei das Stichwort. Und schon hat man eine Verbindung zu dem §434 BGB. Man weiß, dass es der Sachmangel ist und kann durch das Major-System den Paragraphen herausfinden. Es gibt auch eine Major-System-App, die kostenfrei herunterzuladen ist. Weitere Informationen gibt es unter www.zahlen-merken.de oder www.major-system.info.de .

Ein kleiner Tipp: Wenn man eine Pause macht, dann sollte man Jonglieren. Jonglieren steigert nachweislich die Gehirnaktivität und wenn in den Lernpausen jongliert, verbinden sich unsere Synapsen im Gehirn besser, wodurch das Gelernte präsenter wird. Man muss dabei aber auch „am Ball bleiben“ und jeden Tag für 5-10 Minuten jonglieren – ob abends vor dem Fernseher, morgens nach dem Aufstehen oder in den Lernpausen.

Auch das Mind-Mapping ist eine perfekte Merktechnik. Der Grundsatz ist: Es ist unmöglich 700-800 Folien in 1-2 Wochen auswendig zu lernen. Deswegen sollte man wiederholen und am besten mit einem Kalender lernen (wie oben schon beschrieben – 3 Stunden, 3 Tage,…). Bei dem bekannten Mind-Mapping hat man ein zentrales Thema, welches man sich als Bild vorstellt. Von diesem zentralen Thema gehen verschiedene Routen ab. Von dieser Route gehen wieder Routen ab, usw… . Man sollte sich dabei einen „Ast“ anschauen und diesen nach 10 Minuten wiederholen. So assoziieren wir die Bilder, wenn wir das Mindmap wieder anschauen, mit den verschiedenen Informationen, die wir uns merken müssen. Ein kleiner Tipp dafür: Mit Farben arbeiten! So kann unser Gehirn die verschiedenen Äste besser unterscheiden.

Ganz wichtig beim Lernen ist es: Man muss sich ein persönliches Ziel setzen, was niemals 100% sein darf. Lieber anfangs 70 % setzen, was man dann mit der Zeit erweitern kann. Einen fixen Termin setzen, wo man anfängt zu lernen, kann helfen, genauso wie die regelmäßige Wiederholung. Für die Motivation gilt: Man schreibt sich eine Liste und streicht immer einen Punkt weg, wenn man diesen abgeschlossen hat.

Interesse geweckt? Willst auch du einen solchen Workshop machen? Dann besuch’ doch einfach die Internetseite von Daniel Jaworski: http://www.danieljaworski.de und informiere dich über bestimmte Workshops.