Praktikum im Ausland

Gastautor: A. Schwetka
11. Juli 2009

Obwohl es zum Teil schwierig und mit Mühen verbunden ist, ein Auslandspraktikum zu machen, lohnt es sich auf jeden Fall. Im Artikel werden meine eigenen Erfahrungen vom Praktikum in Australien dargestellt, Hinweise zur Planung gegeben und Mut gemacht, sich auf eine Abenteuerreise mit vielen guten Erfahrungen zu begeben. Traut euch!

Die Möglicheit das Pflichtpraktikum oder einen Teil des Praktikums im Ausland zu absolvieren wurden in der Vergangenheit leider selten genutzt. Der Grund hierfür liegt allerdings nicht daran, dass die Studierenden kein Interesse hieran hätten. Die großen Unsicherheiten, die ein solcher Auslandsaufenthalt mit sich bringt, sind oftmals bereits zu Beginn der Praktikumssuche eine große Abschreckung. Im Vergleich zu einem Erasmus – oder Austauschprogramm kann man sich hierbei nicht darauf verlassen, dass die Universität sich um Unterkünfte kümmert, oder dass durch Einführungsveranstaltungen eine Möglichkeit vorhanden ist, andere Studierende und somit neue Freunde kennen zu lernen. Man ist auf sich allein gestellt, sowohl bei der Suche als auch bei der Absolvierung des Praktikums.

Doch man sollte vor allem an die vielen Vorteile denken, die solche Auslandserfahrungen mit sich bringen. Ganz zu schweigen von der persönlichen Entwicklung hat man bereits vorzeitig die Möglichkeit die eigenen Fähigkeiten auf internationaler Ebene zu testen. Man lernt die Arbeitsweise und die Mentalität einer fremden Kultur kennen, lernt mit Sprachbarrieren umzugehen und vor allem seine eigenen Interessen zu vertreten. Denn auf einem anderen Kontinent oder in einem anderen Land muss man allein für sich sorgen. Ebenso verbessert ein Auslandsaufenthalt die späteren Berufschancen, sowie die fachlichen Qualifikationen, z.B. durch die anderen Rechts- und Managementsysteme.

Natürlich verläuft die Suche und das Praktikum bei jedem anders, weswegen ich hier nur meine eigenen Erfahrungen aus Sydney darstellen kann, in der Hoffnung, dass ich auch andere für diese vielleicht einmalige Möglichkeit begeistern und motivieren kann. Ich arbeitete bei der New South Wales Law Reform Commission, einem unabhängigen Organ des Staatsanwaltsbüros, das die Aufgabe hat, Gesetze zu entwerfen und zu reformieren und die Ergebnisse dem Parlament von New South Wales (NSW) zu präsentieren und vorzuschlagen.

Getting started

Am Beginn der Überlegungen muss beachtet werden, dass ein solches Vorhaben besonders früh organisiert werden muss, sofern es noch möglichst kostengünstig sein soll. Die Praktikumssuche sollte spätestens ein Jahr vor Beginn in Angriff genommen werden.

Über viele existierende Praktikumsvermittlungen kann dies auch sehr kurzfristig gehen. Allerdings sollte man hier ENORME Kosten einplanen, die man für die Vermittlung aufwenden muss (bspw. 13-26-wöchiges Praktikum in Sydney für 1.400,00 €).  Die Palette an Dienstleistungen die erworben werden können ist breit gefächert und evtl. auch hilfreich, allerdings wiederum sehr kostspielig. Beispiele hierfür sind Englischkurse (225€/Woche + Einschreibegebühr 110€ + Materialkosten 50 €), Unterkunft “Homestay” (165€/Woche, ca. doppelt so teuer wie normale Unterkunft in einer WG) und Abholung vom Flughafen (95€, normalerweise mit einem Taxi in die City maximal 25€). Ich empfehle, euch sehr gut zu informieren um nicht zu viel zu bezahlen und möglichst in Deutschland mit einem Englischkurs zu beginnen, falls ihr noch unsicher sein solltet.

Weitere Möglichkeiten für die Vermittlung von Praktikumsplätzen ist InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung GmbH) für Praktika im wirtschaftswissenschaftlichen Bereichen, AIESEC (Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales ) für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, EURES für Stellen in Europa und natürlich die Auslandsvermittlungen der Bundesagentur für Arbeit.

Ich begann meine Suche mit kurzen Anfragen an die Verantwortlichen in großen internationalen Konzernen. Ich beschrieb kurz meinen Studiengang, meinen Kenntnisstand und meine bevorzugten Interessengebiete und fragte, ob ich mich für ein Praktikum bewerben könnte.  Leider wurde hierauf meist nicht reagiert oder man antwortete mir, dass eine deutsche Wirtschaftsrechtlerin bei ihnen nicht gebraucht würde.

Nach einigen frustrierenden Wochen, wollte ich immer noch nicht aufgeben. Denn das ist wohl das wichtigste bei diesen Vorhaben: Bloß nicht aufgeben! Die Mühe lohnt sich! Bei weiteren Recherchen war ich wieder einmal auf der Seite einer Vermittlungsagentur. Hier wurden Erfahrungsberichte publiziert und ein junger Jurist schwärmte von der Arbeit in der Law Reform Commission. Dies eröffnete mir einen neuen Blick auf mögliche Praktikumsplätze. Ich bewarb mich kurzerhand bei der Commission und wurde auch direkt angenommen. Völlig unkompliziert und mühelos sorgte mein Chef für alle Formalien und Visumsformalitäten. Die Commission ist es gewohnt ausländische und vor allem australische Studenten als “research students” zu beschäftigen. Weitere für mich interessante Behörden und Organisationen, die sich ebenfalls hervorragend für Praktikumsplätze eignen würden sind die Judicial Commission, Verbrauscherschutzzentralen z.B. für Produkthaftungsfälle und ähnliches. Man sollte nur für alle Möglichkeiten offen sein, denn davon gibt es wahrlich genug.

Financing

Einziger Haken bei der Arbeit bei der Regierung, und wahrscheinlich generell im Ausland, ist das Problem der Finanzierung. Praktikumsplätze werden bei der Regierung grundsätzlich nicht bezahlt. Ebenso ist dies auch bei vielen Unternehmen im Ausland nicht gerade unüblich. Dennoch habe ich durchaus von Studenten gehört die bezahlte Praktikumsplätze bekamen.

Inländische Förderungsmöglichkeiten können aber auch in Anspruch genommen werden. Es besteht z.B. die Möglichkeit Auslandbafög zu beantragen. Ab August 2008 werden sogar außereuropäische Praktika als förderlich betrachtet und dem gemäß auch gefördert. Wichtig hierbei ist ebenfalls die frühzeitige Beantragung der Förderung (4-6 Monate). Zusätzliche Infos hierzu findet ihr hier. Weitere Möglichkeiten der Förderung sind Stipendien, z.B. vom DAAD oder ein Bildungskredit der KfW.

Other stuff to think of

Weitere Dinge solltet ihr bei der Organisation des Aufenthaltes unbedingt beachten:

- Welche Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen gibt es?

- Welche Unterlangen werden im jeweiligen Land für die Bewerbung benötigt?

- Welche Termine und Fristen müssen eingehalten werden?

- Abschluss einer zusätzlichen Krankenversicherung (falls nötig).

- Absprache mit dem Prüfungsausschuss: Kann das Praktikum überhaupt angerechnet werden?

My experience

Wie zuvor bereits festgestellt ist der Organisationsaufwand eines Praktikums enorm und wird euch nicht nur einmal zweifeln lassen, ob dieser Aufwand es tatsächlich wert ist. Meine Erfahrungen zeigen deutlich, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war und die ganzen Mühen bereits am Sydney Airport vergessen waren.

Die Arbeitsweise und die Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der “Aussies” hat mich sehr beeindruckt. Schon am ersten Tag begrüßte man mich mit einem freundlichen Lächeln und dem Angebot, mir in jeder Situation zu helfen. Man gab sofort Stellungnahmen ab, was man an den jeweiligen Wochenenden wohl am besten unternehmen könnte und übrige Football-Tickets wurden mir auch direkt angeboten. Übernachtungsmöglichkeiten bei Familienangehörigen in fremden Städten wurden ebenfalls vorgeschlagen, falls man noch ein wenig reisen wollte.

Arbeitstechnisch habe ich vieles alleine machen können. Das besondere in der Commission war, dass man schon als “kleiner Student” selbstständig arbeiten durfte. Zunächst arbeitete ich an dem “Privacy” – Projekt, welches bereits kurz danach veröffentlicht werden sollte. Ich sollte neue Entwicklungen einarbeiten und nach der aktuellen Meinungslage in Europa suchen und fragen. Ebenso durfte ich an dem Prozess aktiv teilnehmen, durfte zu Anhörungen und zum Parlament gehen, wenn der Sachverhalt oder andere für mich interessante Themen auf dem Tagesplan waren.

Man gab sich ebenso Mühe mich in das gesamte System einzuführen und stellte mir die jeweiligen Kommissionen und ihre “Executives”, also ihre Direktoren vor, die mich dann herumführten und von ihrer Arbeit erzählten. Ein Beispiel hierfür ist die Judicial Commission, welche vor allem mit der Weiterbildung der Richter und Beschwerdeverfahren gegen sie beschäftigt ist. Weiterhin arbeitete die Judicial Commission an einem neuen Gerichtsverfahren, dem “Circle Sentencing”, welches bei Aboriginies die “Ältesten” in die Urteile mit einbezieht, damit die Urteile auch von deren Communities akzeptiert werden. (Auch in der Judicial Commission werden gerne deutsche Praktikanten angenommen. Wer interessiert ist, kann seine Bewerbung an Mr. Ernie Schmatt schicken.)

Des Weiteren habe ich ein eigenes Projekt, das “Penalty” – Projekt zugeteilt bekommen. Hier sollte ich nachweisen, dass die gesetzten Bußgelder und Strafmaße in NSW nicht gerecht bzw. nur sehr schwer nachvollziehbar sind. Die Law Reform Commission hatte bis dahin noch keinen Auftrag vom Generalstaatsanwalt um diese Reform vorzubereiten. Deswegen wurde es mir zur Aufgabe gemacht ein umfassendes Dokument zu erstellen und in diesem auf Unregelmäßigkeiten hinzuweisen, die meines Erachtens  reformbedürftig seien. Kurz nach Abschluss meines Praktikums haben wir tatsächlich den Auftrag bekommen.

Conclusion

Abschließend kann ich nur feststellen, dass das Praktikum in Australien nicht nur fachlich, sondern auch menschlich ein voller Erfolg gewesen ist: Die Anforderungen, die Anspannung, die Angst vor dem Ungewissen und der Mut trotzdem zu gehen und seinen Traum zu erfüllen. Ebenso ist die Erfahrung so ein Projekt selbst organisiert und überstanden zu haben von allergrößter Bedeutung. Es macht sogar ein bisschen stolz.