Praktikumsbericht: KPMG am Standort Hannover

20. Oktober 2015

“In einem anderen Bewerbungsgespräch wurde unser Studiengang stark kritisiert, doch bei meinem Unternehmen sind Wirtschaftsjuristen willkommen,” berichtet unsere Kommilitonin Natascha Zülch. Lest über ihr vielseitiges Praktikum in der Wirtschaftsprüfung selbst!

KL: Wo und wann hast Du Dein Praktikum absolviert?

N: Bei KPMG im Bereich Audit Financial Services in Hannover im WS 2014/2015.

KL: Welche Aufgaben hattest Du?

N: Während meines Praktikums hatte ich mehrere Aufgaben. So habe ich beispielsweise einen Prozess aufgenommen und mir genauer angesehen. Das bedeutet, dass ich Kontrollen – die die Bank sich selbst gegeben hat, um richtige und vollständige Zahlen der einzelnen Posten zu gewährleisten – anhand von Stichproben geprüft habe. Ich habe außerdem bei einem Quartalsreview geholfen. Mir wurden Posten der Bilanz zugewiesen, die ich zum 3.Quartal 2014 plausibilisiert habe. Erfolgt ist dies durch einen Vergleich der Quartalszahlen der gegenwärtigen Periode mit denen der vergangenen Quartalen und auch der vergangenen Geschäftsjahre. Unregelmäßigkeiten wurden dabei anhand von Fragen an die Bank geklärt und nachvollzogen. Ich habe zudem bei einer Schwerpunktprüfung mitgewirkt, die unserem Team vom Aufsichtsrat selbst auferlegt wurde. Die Bank plant die Einführung eines neuen IT Systems. Unsere Aufgabe war es diesbezüglich zu prüfen, ob das System in der Lage ist, die Zahlen und Daten richtig weiterzugeben und letztlich im Jahresabschluss, sprich Bilanz und GuV, vollständig und richtig ausweist. Auch die rechtliche Prüfung von Verträgen gehörte zu meinen Aufgaben. Bei der Jahresabschlussprüfung wurden mir eigene Posten zugewiesen. Ich habe die Zahlen der Bilanz, der GuV-Rechnung und ggf. des Anhangs und die Sachverhalte, die hinter diesen Zahlen stehen, geprüft.

KL: Wie bist Du zu Deiner Praktikumsstelle gekommen?

N: Durch eine Stellenausschreibung im Internet.

KL: Konntest Du die Theorie aus der Uni im Praktikum anwenden? Welche Anknüpfungen gab es?

N: Die theoretischen Kenntnisse aus Rechnungswesen und Rechnungslegung waren für mich sehr hilfreich. Natürlich war gerade das HGB präsent. Generell war die Fähigkeit, mit dem Gesetz umzugehen, gefragt. Da ich immer mal wieder die  Aufgaben der Juristin unseres Teams mitübernommen habe, konnte ich auch praktische Erfahrungen in einem juristischen Gutachten sammeln. Ohne die theoretischen Kenntnisse über das Subsumieren wäre diese Aufgabe kaum zu bewältigen gewesen.

KL: Wie wurde das Berufsbild angehende/r Wirtschaftsjurist/in aufgenommen?

N: In einem anderen Bewerbungsgespräch wurde unser Studiengang stark kritisiert. Auf diese Kritik bin ich bei KPMG nicht gestoßen. Ich war zwar die einzige Wirtschaftsjuristin in unserem Team, wurde aber gerade als solche sehr freundlich aufgenommen. Bei KPMG sind alle Studiengänge, von WiWi über Mathematik bis Volkswirtschaft gefragt. Auch Wirtschaftsjuristen sind dort willkommen.

KL: Was empfandest Du als die größte Herausforderung/den größten Unterschied zum Unialltag?

N: Der größte Unterschied war für mich zunächst die Umstellung, das Haus jeden Tag im Kostüm/Anzug zu verlassen. Die volle Konzentration von morgens bis abends ist an dieser Stelle auch nennenswert. Ich habe den Arbeitsalltag eines Wirtschaftsprüfers erlebt und hatte somit mehr Verantwortung und Druck.

KL: Welche Erwartungen hattest Du an Dein Praktikum? Inwiefern haben sie sich während des Praktikums erfüllt?

N: Ich wollte vielerlei praktische Erfahrungen machen und einen guten Einblick in den Arbeitsalltag eines Wirtschaftsprüfers erhalten. Den Einblick habe ich auf jeden Fall bekommen. Bei vielen dazugehörigen Tätigkeiten habe ich nicht nur an diesen geschnuppert, sondern auch selbst übernommen. So habe ich viele Erfahrungen machen können und bin an den Herausforderungen über mich selbst hinaus gewachsen. Ich war sehr gespannt darauf, in wieweit meine theoretischen Kenntnisse aus der Uni bei diesem Job weiterhelfen können. Einige Kenntnisse aus der Uni konnte ich anwenden, aber es hielt sich in Grenzen. Hilfreich waren definitiv die Grundlagen und auch die Fähigkeit mehrere Aufgabenfelder gleichzeitig und schnell zu bearbeiten.

KL: Was war das Beste an Deinem Praktikum?

N: Das Beste war es, dass mir viel Verantwortung und Vertrauen entgegen gebracht wurde. Ich wurde als vollwertiger Mitarbeiter behandelt. Das hat sich dadurch gezeigt, dass mir Aufgaben zugewiesen wurden, die normalerweise Festangestellte übernehmen. Auch der Umgang mir gegenüber war sehr respektvoll und schätzend. Ich konnte mit Mitarbeitern der Bank aus höher gestellten Positionen selbstständig kommunizieren, was mir stets das Gefühl gab sinnvolle und vor allem wichtige Tätigkeiten zu erfüllen.

KL: Welche Tipps hast Du für Deine Kommilitonen, die das Praktikumssemester noch vor sich haben?

N: Horcht in Euch und findet heraus, welcher Bereich Euch besonders interessiert. Macht Euch schon früh Gedanken über ein Praktikum, kümmert Euch früh genug um die Bewerbungen und bereitet Euch gut auf die Bewerbungsgespräche vor. Habt vor allem keine Scheu vor neuen Herausforderungen und lasst  Euch auf gar keinen Fall von Absagen entmutigen!

Danke für das Interview und den motivierenden Abschlusss, Natascha!

Wenn auch Du von Deinem Praktikum berichten möchtest, schreib’ an: a.rischenkov@kassel-law.de