Ramat Gan 2013 (4.-18. März)

Während wir gerade bei hochsommerlichen Temperaturen schwitzen, hier ein Exkursions-Bericht aus der kühleren Jahreszeit, der durchaus das Fernweh wecken kann:

Damaskustor Jerusalem

Damaskustor Jerusalem

Am Ende war es ein deutliches Ergebnis:  0 zu 25 – Grad Celsius, wohlgemerkt.  Während unseres Aufenthaltes in der Sonne Israels kamen wir nicht umhin, den beträchtlichen Temperaturunterschied zwischen dem für März überdurchschnittlich kalten Deutschland und unserem gegenwärtigen Aufenthaltsort zu bemerken. Fast schon ein wenig schadenfroh konsultierten T-Shirt tragende Kasseler, Kasselaner und Kasseläner regelmäßig mobile Nachrichtendienste, um anschließend zu verkünden, wie viel Grad minus die Lieben daheim gerade zu ertragen hatten.

Wir waren aber nicht (nur) wegen der Sonne gekommen. Das College of Law and Business in Ramat Gan (Kassels Partnerstadt in der Agglomeration Tel Aviv) hatte uns eingeladen, gemeinsam ein internationales Winterprogramm in Ramat Gan durchzuführen. Nachdem auch das Thema, Global Corporate Law“, und die drei im Rahmen des Programms angebotenen Kurse, „US and Israeli Corporate Law“, „German and European Corporate Law“ und „Economics of Corporate Law“, feststanden, fand sich recht schnell eine Gruppe von 13 Kasseler Studenten zusammen, die sich am 4. März auf den Weg nach Israel machte.

Im Anschluss an die lange Reise und eine späte Ankunft im Hotel begann die erste Woche. Von der Müdigkeit umnebelt,  die Umgebung und die englische Unterrichtssprache ungewohnt, konnte es nun losgehen. Sowohl die israelischen als auch die deutschen Studierenden, zu denen neben den 13 Kasselern auch zwei Studierende der Universität Mainz gehörten, akklimatisierten sich jedoch schnell. Nach einer sehr kurzen Phase des Einlebens fanden israelische und deutsche Studierende auch außerhalb offizieller Termine zusammen und erkundeten (manchmal ein wenig zum Leidwesen der Dozenten) das Nachtleben Tel Avivs.

Auf dem Weg zu Ein Gedi Springs

Auf dem Weg zu Ein Gedi Springs

Der Unterricht machte mit 7 von 14 Tagen einen großen Teil des Aufenthalts aus, jedoch wurde von ein er atemberaubenden Kulisse, traumhaften Ausflügen und inhaltlichen Vorträgen abgerundet. Und gerade erst das, was die Studierenden und Lehrende außerhalb des Hörsaales erlebten, machten diese  Israel-Exkursion zu einer intensiven und einmaligen Bildungsreise.

Die Israelisch-Deutsche Handelskammer, die Heinrich-Böll-Stiftung, das Deutsche Konsulat in Haifa (dritt­größte Stadt Israels), aber auch eine israelische Unternehmervereinigung und eine der größten israelischen Wirtschaftskanzleien mit deutscher Beteiligung hießen uns zu Vorträgen rund um die israelische Kultur, Wirtschaft („Israel, the Start-Up Nation“) und natürlich auch zum rechtlichen Kontext willkommen. Die politische Situation Israels wurde in Vorträgen von Prof. Ido Porat („Israel – Law and Democracy“), Prof. David Menashri („Israel, Iran and the Middle East“) sowie einem herausragenden Vortrag des ehemaligen israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor, beleuchtet.

Dazu kamen noch die fantastischen Wochenendausflüge, an die wir uns besonders erinnern werden, weil sie uns das zeigten, was  Israel ausmacht.

Es ist jedoch gar nicht möglich, in Kürze all das zu beschreiben, was erwähnenswert  ist. Es war schlicht und ergreifend beeindruckend und eine Empfehlung  an Jeden, Israel nicht nur über Television, sondern hautnah und live zu sehen. Besonders hervorzuheben bei dieser einmaligen Exkursion war die  Gastfreundschaft der uns begleitenden israelischen Studierenden. Diese übernahmen häufig die Rolle der Reiseführenden, so dass wir nicht nur die offiziell erlaubten Ecken und Kanten Israels sehen und erleben durften, sondern auch die privaten, was es uns ermöglichte, ein Stück selbstgebackenen Kuchen auf den Golan-Höhen  zu essen, die Idylle eines Kibbuz, aber auch die vor Minen warnenden Schilder sowie einen Teil der syrisch-israelischen Grenze zu erleben. Insbesondere hier wurde uns allen  klar, dass die Normalität, die uns in Tel Aviv begegnete, eine andere ist, als diejenige, die wir aus unserer Heimat kennen.

Blick von der Festung Masada auf römische Belagerungsmauer mit Kastellen

Blick von der Festung Masada auf römische Belagerungsmauer mit Kastellen

Der zweite Wochenendausflug führte uns nach Jerusalem, in die Wüste Negev und ans Tote Meer. Wir besichtigen die Knesset (israelisches Parlament) und den Obersten Israelischen Gerichtshof, sahen das Freitagsgebet an der Klagemauer, lernten etwas über die Bedeutung Jerusalems für Judentum, Islam und Christentum und schwammen schließlich auf dem Toten Meer.

Ein ganz wesentlicher Teil dieser Exkursion war zweifelsohne der geschichtliche.  Während des zweiten Weltkrieges sind knapp 6 Millionen Juden im Genozid umgekommen. Wie also geht ein Land wie Israel mit seiner Geschichte um? Diese und viele weitere Fragen wurden durch einen Besuch in der Holocaust-Gedenktstätte Yad Vashem in Jerusalem beantwortet. Der Besuch war geprägt von bedächtigen Stunden, die jedem von uns in Erinnerung bleiben werden. Yad Vashem, welches ohne anzuklagen den Opfern des Holocaust gewidmet ist und sich zum Ziel gesetzt hat, ihre Schicksale und ihre oft schweren Entscheidungen den später Geborenen nahe zu bringen, damit sie sich offen und ehrlich mit diesem Thema auseinandersetzen, mit Opfern wie mit Tätern .

Im Fazit bleibt es nur noch zu sagen: klasse und unvergesslich.

Wir, Dozenten und Studierende, haben eine gute Zeit verbracht und unseren Horizont in vielerlei Hinsicht erweitern können. Für die Zukunft bleibt es nur zu wünschen, dass diese Kooperation mit unseren Gastgebern fortgesetzt und ein bilateraler Austausch angestrebt wird. In diesem Sinne: Shalom!