Praktikum beim Bundeskartellamt (Mai – Juli 2015)

Gastautor: S. Weber
15. Januar 2016

Meine Aufmerksamkeit ruhte auf dem Bundeskartellamt seit ich an der jährlichen Bonn-Exkursion des IWR im Dezember 2013 teilgenommen hatte. Das Kartellrecht erschien mir bereits an der Universität in der Theorie als spannend und dies wollte ich nun auch in der Praxis erleben. Das Praktikum umfasste 13 Wochen. Das Bundeskartellamt ist in Deutschland der hochrangigste Wettbewerbshüter. Es ist eine selbständige Bundesoberbehörde mit rund 345 Mitarbeitern, die den gesetzlichen Rahmen für Marktgerechtigkeit, also das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), umsetzt. Im einzelnen gehören zu den Aufgaben des Bundeskartellamtes die Durchsetzung des Kartellverbots, die Fusionskontrolle, die Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende bzw. marktstarke Unternehmen, die Überprüfung der Vergabe öffentlicher Aufträge des Bundes und die Durchführung von Sektoruntersuchungen. Es gibt insgesamt zwölf Beschlussabteilungen, welche überwiegend nach Branchen eingeteilt sind. Sie sind unabhängig und frei in ihrer Entscheidungsfindung. Im Amt arbeiten hälftig Juristen und Ökonomen, wobei beide Gruppen fortlaufend in relevanten Wissensbereichen der jeweils anderen Gruppe geschult werden.

Alle Informationen für Praktikumsinteressierte findet man auf der Homepage des Bundeskartellamtes. Eine Frist gibt es nicht, jedoch ist es ratsam sich 6 Monate vor geplantem Antritt zu bewerben. Aber auch kurzfristiger kann man eine Stelle durch Glück, gute Noten, einen interessanten Lebenslauf usw. ergattern. Durch die Anforderungen auf der Internetseite darf man sich nicht abschrecken lassen und man kann als Jurist ebenso ein Praktikum im ökonomischen Bereich machen wie man als Ökonom im juristischen Bereich tätig sein kann. Überwiegend wird man dort auf Masterstudenten oder Referendare stoßen, jedoch sind auch Bachelorstudierende keine Seltenheit. Es sind freiwillige Praktika sowie Pflichtpraktika (bis 3 zu Monaten) möglich. In den Beschlussabteilungen werden überwiegend Juristen eingesetzt. Ansonsten habe ich Praktikanten und Referendare aus der Ökonomieabteilung, der Sonderkommission Kartellbekämpfung und im Referat Deutsches und europäisches Kartellrecht kennengelernt. Ein vollständiges Organigramm über den Aufbau und möglichen Praktikumsbereichen (, welche man sich in der Bewerbung wünschen kann,) gibt es auf der Homepage.

Ich war in der ersten Beschlussabteilung untergebracht, die sich auf die Gewinnung von Erzen, Steinen und Erde konzertiert, hinzu kommen die Bauindustrie und damit verbundene Dienstleistungen im Bereich Baustoffe, Glas und Keramik, Immobilien und verbundene Dienstleistungen und das Holzgewerbe.

Weiterlesen…

Praktikumsbericht: Personalabteilung bei Bombardier

22. Dezember 2015

Unsere Kommilitonin, Lidia Schmies, befindet sich gerade mitten im Praktikum und gewährt uns einen Einblick in ihren Arbeitsalltag im Personalwesen. Am Ende des Interviews gibt sie außerdem ein paar Tipps an alle “Praktikumsbeginners”.

KL: Wo absolvierst Du Dein Praktikum?

L: Ich absolviere das gesamte Praxismodul (22 Wochen) bei der Bombardier Transportation GmbH in der Personalabteilung – HR Resources – am Standort Kassel.

KL: Welche Aufgaben hast Du?

L: Die Aufgaben sind nicht auf ein Themengebiet begrenzt und beschränken sich damit nicht nur auf rechtliche Themenbereiche. Mein Zuständigkeitsbereich gliedert sich in fortlaufende Aufgaben und Projekte bzw. einmalige Unternehmungen. Zu meinen fortlaufenden Aufgaben gehört die Betreuung der Werkstudenten und Praktikanten. Ich erstelle Stellenausschreibungen (Personalrecruitment) und übernehme anschließend das Bewerbermanagement.  Dazu gehört die Kommunikation mit Vorgesetzten bezüglich der Bewerberauswahl, Führen von Vorstellungsgesprächen bis hin zur Einstellung der neuen Werkstudenten. Ich kümmere mich außerdem um die Verträge, wenn eine Werkstudententätigkeit verlängert werden soll. So muss ich die Verträge anfordern oder ggf. selbst anfertigen und notwenige Unterschriften einholen. Ich organisiere Betriebsratsanhörungen gem. § 99 BetrVG, dabei wird der Betriebsrat vor jeder Einstellung und Verlängerung angehört. Die Unterstützung und Überprüfung des Zeugniserstellungsprozesses gehört ebenso zu meinem Aufgabenbereich. Auch wenn Werkstudenten austreten, kümmere ich mich um die notwendige Bürokratie. Ferner überwache ich den Probezeitenprozess von Stamm- und Leasing-Mitarbeitern. Es gehören auch viele andere administrative Aufgaben wie die Pflege elektronischer Akten, Erstellung von Präsentationen und Excel- Dateien zu meinem Arbeitsalltag. Ich erstelle Info-Material mit aktuellen rechtlichen Regelungen, wie z. B. einen Leitfaden für werdende Eltern. Bei Bedarf fertige ich Broschüren, Flyer, Guides usw. an. Ich beteilige mich an Artikeln für den internen HR- Newsletter und generiere Statistiken zum internen Talentmanagement. Ein einmaliges Projekt, das ich koordiniert habe, ist die diesjährige Weihnachtsaktion.

KL: Wie bist Du zu Deiner Praktikumsstelle gekommen? Weiterlesen…

Praktikumsbericht: KPMG am Standort Hannover

20. Oktober 2015

“In einem anderen Bewerbungsgespräch wurde unser Studiengang stark kritisiert, doch bei meinem Unternehmen sind Wirtschaftsjuristen willkommen,” berichtet unsere Kommilitonin Natascha Zülch. Lest über ihr vielseitiges Praktikum in der Wirtschaftsprüfung selbst!

KL: Wo und wann hast Du Dein Praktikum absolviert?

N: Bei KPMG im Bereich Audit Financial Services in Hannover im WS 2014/2015.

KL: Welche Aufgaben hattest Du?

N: Während meines Praktikums hatte ich mehrere Aufgaben. So habe ich beispielsweise einen Prozess aufgenommen und mir genauer angesehen. Das bedeutet, dass ich Kontrollen – die die Bank sich selbst gegeben hat, um richtige und vollständige Zahlen der einzelnen Posten zu gewährleisten – anhand von Stichproben geprüft habe. Ich habe außerdem bei einem Quartalsreview geholfen. Mir wurden Posten der Bilanz zugewiesen, die ich zum 3.Quartal 2014 plausibilisiert habe. Erfolgt ist dies durch einen Vergleich der Quartalszahlen der gegenwärtigen Periode mit denen der vergangenen Quartalen und auch der vergangenen Geschäftsjahre. Unregelmäßigkeiten wurden dabei anhand von Fragen an die Bank geklärt und nachvollzogen. Ich habe zudem bei einer Schwerpunktprüfung mitgewirkt, die unserem Team vom Aufsichtsrat selbst auferlegt wurde. Die Bank plant die Einführung eines neuen IT Systems. Unsere Aufgabe war es diesbezüglich zu prüfen, ob das System in der Lage ist, die Zahlen und Daten richtig weiterzugeben und letztlich im Jahresabschluss, sprich Bilanz und GuV, vollständig und richtig ausweist. Auch die rechtliche Prüfung von Verträgen gehörte zu meinen Aufgaben. Bei der Jahresabschlussprüfung wurden mir eigene Posten zugewiesen. Ich habe die Zahlen der Bilanz, der GuV-Rechnung und ggf. des Anhangs und die Sachverhalte, die hinter diesen Zahlen stehen, geprüft.

KL: Wie bist Du zu Deiner Praktikumsstelle gekommen?

N: Durch eine Stellenausschreibung im Internet.

KL: Konntest Du die Theorie aus der Uni im Praktikum anwenden? Welche Anknüpfungen gab es?

N: Die theoretischen Kenntnisse aus Rechnungswesen und Rechnungslegung waren für mich sehr hilfreich. Natürlich war gerade das HGB präsent. Generell war die Fähigkeit, mit dem Gesetz umzugehen, gefragt. Da ich immer mal wieder die  Aufgaben der Juristin unseres Teams mitübernommen habe, konnte ich auch praktische Erfahrungen in einem juristischen Gutachten sammeln. Ohne die theoretischen Kenntnisse über das Subsumieren wäre diese Aufgabe kaum zu bewältigen gewesen.

KL: Wie wurde das Berufsbild angehende/r Wirtschaftsjurist/in aufgenommen? Weiterlesen…

Praktikumsbericht: EAM GmbH & Co.KG

25. Juni 2015

Es geht weiter mit der Reihe der Praktikumsreflexionen: Unser Kommilitone, Daniel Drews, hat – wie schon ein paar von uns (WiRe-Studenten) – ein Praktikum bei EAM in seinem ersten Mastersemester (SS 2014) absolviert. Das kurze Interview könnt Ihr unten nachlesen. Einen längeren Bericht zur selben Praktikumsstelle gab es bereits auf Kassel Law von Sascha Grüner, den findet Ihr hier. Generell besteht zwischen der Uni Kassel und der EAM GmbH & Co. KG eine Kooperation, sodass es bei dem Unternehmen für Wirtschaftsrecht-Studenten regelmäßig einen abwechslungsreichen Praktikumsplatz gibt . Mehr dazu beispielsweise hier.

Kassel Law: Wo hast Du Dein Praktikum absolviert?

Daniel: EAM GmbH & Co.KG

KL: Welche Aufgaben hattest Du?

D: Einsatz in der Rechtsabteilung, Compliance, Rechnungswesen und Netzregulierung

KL: Wie bist Du zu Deiner Praktikumsstelle gekommen?

D: Durch die Kooperation zwischen dem IWR und EAM (damals noch unter E.ON Mitte AG) und durch den Gastvortrag des GF Georg von Meibom und damaligen Praktikanten Sascha Grüner

KL: Konntest Du die Theorie aus der Uni im Praktikum anwenden? Welche Anknüpfungen gab es?

D: Anknüpfungen gab es fast nur in der Rechtsabteilung, da hier klassische juristische Fälle bearbeitet werden mussten. Außerdem war das Grundwissen im Rechnungswesen hilfreich. In den anderen Bereichen des Praktikums waren die Themen zu energiespezifisch.

KL: Wie wurde das Berufsbild angehende/r Wirtschaftsjurist/in aufgenommen?

D: Da ich der 5. Praktikant der Uni Kassel war, der WiRecht studiert, war das Berufsbild bei EAM bekannt – man wusste schließlich, was wir können (sollen) und was nicht. Weiterlesen…

Praktikumsbericht: Nachhaltigkeit und Rechtsabteilung

22. Juni 2015

Liebe Kommilitonen!

Mit diesem Beitrag startet Kassel Law eine Reihe von lesenswerten Praktikumsreflexionen derjenigen unter uns, die ihr Praktikumssemester bereits absolviert haben. Diese netten Mitstudierenden teilen mit uns so ihre Erfahrungen und geben praktische Tipps bezüglich des Praktikums. Das kann hilfreich bei der Organisation des eigenen Praxissemesters sein und zu neuen Berufsperspektiven als Wirtschaftsjurist/in ermuntern.

Unser erster Kandidat, Jannik Hermes, hat das Praxismodul zweigeteilt und einen Teil im Bereich der Nachhaltigkeit und den anderen in einer Rechtsabteilung absolviert. Lest das sehr motivierende Interview am besten selbst! :)

 

Kassel Law: Wo hast Du Dein Praktikum absolviert?

Jannik: Ich habe das Praxismodul auf zwei verschiedene Praktikumsstellen (je 3 Monate) aufgeteilt: Zunächst war ich bei der Systain Consulting GmbH, einer Unternehmensberatung, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert hat. Danach war ich bei der PricewaterhouseCoopers Legal AG in der Rechtsberatung. Beide Stellen waren in Hamburg.

KL: Welche Aufgaben hattest Du?

J: Das war ganz unterschiedlich. Bei Systain habe ich die Berater bei ihren Projekten untersützt. Das umfasste z.B. die Vorbereitung von Akquiseterminen (Sammlung und Präsentation von Unternehmensinformationen, Prüfung von Kooperationsmöglichkeiten), Analyse und Bewertung von diversen Nachhaltigkeitsstandards (insb. Kriterien der Sozialstandards, d.h. welche Anforderungen gibt es in dem jeweiligen Standard für eine Zertifizierung [keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, Mindestlohn, …]), Entwicklung einer Bewertungslogik für diese Nachhaltigkeitsstandards (welches Kriterium wie gewichten, um vergleichbare Scores zu erhalten?), Überprüfen und Übersetzen von Fabrik-Audit-Berichten (Textilfabriken wurden auf Einhaltung bestimmter Sozialkriterien geprüft), Prüfung von Eingangsrechnungen, Stellung von Ausgangsrechnungen, …

Bei PwC habe ich größtenteils einzelne strittige Fragen rechtlich bewertet und eine Stellungnahme/Einschätzung dazu abgegeben. Außerdem gehörten zu meinen Aufgaben das Verfassen anwaltlicher Schreiben an Gerichte/Mandanten/Gegenseite, Übersetzen von Dokumenten aus ausländischen Verfahren, Prüfen einzelner vertraglicher Klauseln auf ihre Wirksamkeit (z.B. Vertragsstrafevereinbarungen), … Weiterlesen…

Mein Praktikum bei der E.ON Mitte AG

Autor: S. Gruener
31. März 2013

Heute sind die ersten vier Wochen meines Praktikums bei der E.ON Mitte AG vorbei und es gefällt mir sehr gut. Meine Tätigkeiten sind abwechslungsreich und vertiefen mein juristisches Wissen in vielen Bereichen. Deshalb möchte ich Euch über meine Erfahrungen informieren und Euch das Praktikum bei der E.ON Mitte AG empfehlen.

Während des Praktikums bei EMI (die Abkürzungen lernt Ihr sehr schnell, wenn Ihr ein Praktikum bei uns macht) durchläuft man mehrere Stationen: Rechtsabteilung (Heimatabteilung), Rechnungswesen, Netzwirtschaft und das Kommunalmanagement. In der Rechtsabteilung arbeitet ihr zwei Mal: Einmal zu Beginn Eures Praktikums und dann noch mal am Ende, sodass Ihr den meisten Teil des Praktikums in der Rechtsabteilung verbringt.

Und genau dort arbeite ich jetzt seit vier Wochen. Das Team der Rechtsabteilung ist sehr nett und sie haben mich sofort in ihre Arbeitsabläufe und das Team integriert. Ich bearbeite eigenständig rechtliche Anfragen aus dem Unternehmen, prüfe Verträge, setze Schreiben auf und recherchiere zu verschiedenen rechtlichen Themen. Bei meinen Aufgaben gibt es keinen Unterschied zwischen mir als Praktikant und den Juristen, sodass ich die gleichen Aufgaben bearbeite wie sie. Während meiner bisherigen Praktikumszeit habe ich Schadensersatzansprüche geprüft, Verjährungsfristen ermittelt, verschiedene Verträge geprüft, Mietverträge aufgesetzt, Gesellschafterverträge kontrolliert, Schreiben an Rechtsanwälte erstellt, EEG-Voraussetzungen ermittelt und vieles mehr. Bei Fragen stehen mir die Kolleginnen und Kollegen immer zur Verfügung und erklären mir alle Fragen, sodass ich mein juristisches Wissen vertiefen kann und in interessante juristische Sachverhalte eingeführt werde. Aufgrund dieser unterschiedlichen Themenbereiche ist jeder Arbeitstag eine neue Herausforderung mit abwechslungsreichen und interessanten rechtlichen Fragen. Besonders positiv finde ich, dass ich sehr viel über Vertragsgestaltungen und das Aufsetzen von Verträgen lerne.

Auch die Organisation des Praktikums ist sehr gut. So werde ich während meines Praktikums von einer Mentorin betreut: In meinem Fall Frau Stolze. Sie ist auch die Leiterin des Bereichs Recht. Zu Beginn meines Praktikums hat sie mit mir eine Zielvereinbarung getroffen. In dieser Vereinbarung wurde festgehalten, was ich gerne in der Zeit bei EMI lernen würde und was sie von mir erwarten. Außerdem habe ich mich zusammen mit Frau Stolze in jeder Abteilung, die ich durchlaufe, vorgestellt, sodass ich die zuständigen Betreuer schon zu Beginn meines Praktikums kennengelernt habe. Die Zielvereinbarung wird für jede Abteilung noch mal separat abgeschlossen, sodass ich für jeden Bereich eine individuelle Rückmeldung bekommen werde, die dann auch in das Zeugnis eingeht. Darüber hinaus bekomme ich regelmäßig ein Feedback, sodass ich weiß, in welchen Gebieten ich mich noch verbessern kann und in welchen ich schon gut bin. Am Ende des Praktikums werden die vereinbarten Ziele noch mal verglichen. Darüber hinaus wird abschließend besprochen wie ich mich im Praktikum entwickelt habe und wie meine fachlichen und persönlichen Fähigkeiten beurteilt werden.

Ich kann schon nach vier Wochen sagen, dass ich das Praktikum bei EMI jedem Wirtschaftsrechtstudenten empfehlen kann. Unser Institut kooperiert mit EMI und bietet so überdurchschnittlich engagierten Studierenden die Möglichkeit, über Herrn Prof. Dr. Dr. Blocher für ein Praktikum empfohlen zu werden. Nähere Informationen dazu findet Ihr hier.

Wenn Euch mein erster Erfahrungsbericht neugierig gemacht hat und Ihr Euch für ein Praktikum bei uns interessiert, könnt Ihr mich gerne anschreiben (s.gruener@juristik.org). Sehr gerne berichte ich Euch noch mehr über meine Aufgabengebiete und die Möglichkeiten für einen Einstieg als Praktikant bei EMI. Aus meiner Sicht bin ich nach diesem Praktikum sehr gut auf einen Berufseinstieg vorbereitet und freue mich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen schon auf das „richtige“ Berufsleben.

Ausschließlich den Interessen der Verbraucher verpflichtet – Praktikum bei der Verbraucherzentrale Hessen e. V.

Gastautor: F. Lohner
19. Juni 2012

Dem Themenfeld Verbraucherschutz kommt in allen Bereichen der heutigen Gesellschaft eine nicht mehr wegzudenkende Bedeutung zu. In Deutschland können den unterschiedlichen Verbraucheranliegen einerseits durch die Angebote und Beratungen von Verbraucherorganisationen Rechnung getragen werden, zum anderen erhält die Stellung von Verbrauchern eine zunehmende Stärkung in der nationalen wie auch in der europäischen Gesetzgebung bzw. Rechtsprechung.

Im Rahmen meines Masterstudiums Wirtschaftsrecht boten sich mir während eines sechswöchigen Praktikums bei der Verbraucherzentrale Hessen e. V. (Beratungszentrum Kassel/Nordhessen) abwechslungsreiche Einblicke in die Verbraucherarbeit, vor allem im Bereich der rechtlichen Verbraucherberatung. Bevor nachfolgend die Tätigkeiten und Projekte während meines Praktikums vorgestellt werden, wird ein kursorischer Überblick über die Organisation und Arbeit der Verbraucherzentrale Hessen (nachfolgend VZ Hessen) vorangestellt.

Organisationsstruktur und Aufgaben der Verbraucherzentrale Hessen e. V.

In Deutschland gibt es 16 vereinsrechtlich-organisierte Verbraucherzentralen, angesiedelt in jedem Bundesland. Die VZ Hessen bietet mit acht Beratungsstellen ein landesweites Beratungsangebot für ca. sechs Millionen Verbraucher in Hessen. Zu den Aufgabenbereichen der VZ Hessen zählen gemäß dem Leitbild die Information, Beratung und Vertretung von Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Interessen ggü. Unternehmern. Bei den Beratungs- und Informationstätigkeiten der VZ Hessen spielen vor allem der juristische Verbraucherschutz, der Bereich Finanzen sowie die Bereiche Umwelt, Klima und Energie eine zentrale Rolle. Aufgrund des interdisziplinären Beratungsangebotes finden sich unter den mehr als 70 Angestellten der VZ Hessen ein breites Spektrum an Berufsfeldern; von Ärzten, Ingenieuren, Oecotrophologen bis hin zu Juristen können nahezu alle verbraucherrelevanten Themenfelder durch qualifizierte Berater abgedeckt werden.

Als Dachorganisation der kommunalen Verbraucherzentralen vertritt der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (mit Sitz in Berlin) die verbraucherpolitischen Interessen gegenüber Politik, Verwaltung, Justiz, Wirtschaft und Öffentlichkeit.1

Tätigkeiten und Projekte während des Praktikums

Das zur VZ Hessen gehörende Beratungszentrum Kassel/Nordhessen (mit Sitz im Südflügel des Kulturbahnhofs Kassel) bietet den Verbrauchern zu den Bereichen Allgemeine Rechtsberatung, Altersvorsorge und Geldanlage, Energieberatung, Medien und Telekommunikation sowie Finanzen und Versicherung entsprechende Beratungen an.2 Zu meinem Tätigkeitsbereich zählte vorwiegend die Hospitation und Mitwirkung an der Verbraucherberatung speziell in juristischen Fragestellungen – wie alle Verbraucherzentralen ist die VZ Hessen gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 4 RDG zur entgeltlichen Rechtsberatung in Verbraucherfragen befugt. So konnte ich dem in Kassel für Verbraucherrecht zuständigen Diplom-Wirtschaftsjuristen bei seinen Beratungsgesprächen „über die Schulter schauen“. Umfassende Verbraucheranliegen wurden zumeist schriftlich mit den gegenüberstehenden Unternehmern geklärt. Im Nachgang zu Beratungsgesprächen bestand meine Aufgabe somit darin, juristische Sachverhalte zu recherchieren bzw. entsprechende Schriftsätze für die Verbraucher zu verfassen.

Weiterlesen…

Praxissemester beim Umweltbundesamt: Herz und Hirn des Umweltrechts

Gastautor: F. Wuestefeld
18. Januar 2012

Ob Gewässerschutz, Chemikaliensicherheit oder Immissionsschutz – das Umweltrecht durchdringt alle Lebensbereiche und Stichworte wie „Energiewende“ oder „Klimawandel“ zeigen, dass dieser Rechtsbereich auch in Zukunft hoch aktuell bleibt. Eine treibende Kraft für die Weiterentwicklung des Umweltrechts ist das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau mit seinen interdisziplinär vernetzten Fachjuristen. Dort bietet sich auch für Referendare und Praktikanten die Chance, den Alltag einer wissenschaftlichen Umweltbehörde kennen zu lernen. Dazu möchte ich ein paar Infos geben und von meinen persönlichen Erfahrungen berichten.

Aufgaben und Organisation des UBA

Das Umweltbundesamt (Leitbild: „Für Mensch und Umwelt“) ist als Bundesoberbehörde organisatorisch dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zugeordnet. Der Hauptstandort liegt mit rund 900 Mitarbeitern in einem futuristischen Gebäude [Rundgang] in der Bauhausstadt Dessau-Roßlau. Wichtigster weiterer Standort ist Berlin (Deutsche Emissionshandelsstelle). Aufgabe des UBA ist die wissenschaftliche Unterstützung der Bundesregierung, der Vollzug bestimmter Umweltgesetze und die Information der Öffentlichkeit in Fragen des Umweltschutzes. Den anspruchvollen Anforderungen folgend ist der Anteil von Hochschulabsolventen besonders hoch, in erster Linie Naturwissenschaftler neben Juristen, Ökonomen oder Soziologen und ein Mittelbau von Verwaltungsfachleuten des gehobenen Dienstes. Aufgabe der Umweltjuristen ist dabei unter anderem die interne Rechtsberatung in der Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen, umweltrechtliche Information der Öffentlichkeit sowie die Fortentwicklung des Umweltrechts durch die Ausarbeitung und Vergabe rechtlicher Forschungsprojekte als Grundlage für die Politikberatung und neue Gesetzgebungsvorhaben. Als Beispiel hierfür sind die umfangreichen Vorschläge für eine Weiterentwicklung des Klimaschutzrechts auf Bundesebene zu nennen.

Weiterlesen…