„Umweltwissenschaften – Forschungsthemen der Zukunft – Transformative Wissenschaft und Politik“, ein Vortrag von Hrn. Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich

Gastautor: M. Salzmann
25. März 2014

Am 6. November 2013 hielt Hr. Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich einen Vortrag zum Thema „Umweltwissenschaften – Forschungsthemen der Zukunft – Transformative Wissenschaft und Politik“ an der Universität Kassel.

Herr Prof. Faulstich ist Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU), Berlin, welcher 1972 von der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde.

Sieben Professorinnen und Professoren aus verschiedenen Fachdisziplinen bilden den Sachverständigenrat und werden alle vier Jahre ebenfalls von der Bundesregierung ernannt.

In seinem Vortrag stellte der Referent zunächst den SRU und das Umweltgutachten 2012 mit dem Titel „Verantwortung in einer begrenzten Welt“ vor. Passend zum 40-jährigen Jubiläum des Sachverständigenrates wurde mit dem Gutachten versucht, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Jahre zu geben.

Themen sind die Entkoppelung von Wohlfahrt und Ressourcennutzung, Aufwertung der Ökosystemleistungen und Stärkung integrativer Konzepte.

Die Kernthesen von Hrn. Prof. Faulstich im Einzelnen:

Trotz 20-jähriger, intensiver Arbeit am Klimaschutz besteht nach wie vor eine ungebrochene Dynamik beim Verbrauch fossiler Rohstoffe, einhergehend mit Wachstum des weltweiten Bruttoinlandprodukts, der Bevölkerungsentwicklung, der Nutzung chemischer Elemente sowie dem Anstieg der CO2 Konzentration.

Vor allem seit Beginn des Wirtschaftswachstums nach Ende des 2. Weltkrieges kam es in all diesen Bereichen zu einer exponentiellen Steigerung.

„Das Problem hierbei ist,“ so Hr. Prof. Faulstich, „dass auch materielles Wachstum irgendwann seine Grenzen erreicht.“ Dies stellt eine globale Herausforderung dar.

Daher forderte die Europäische Kommission eine zweifache Entkopplung. Sie dient der Verringerung negativer ökologischer Folgen von Ressourcennutzung. Umweltauswirkungen und Ressourcennutzung sollen getrennt werden, um so die ressourcenspezifischen Auswirkungen zu verringern.

Zugleich werden Ressourcennutzung und Wirtschaftswachstum entkoppelt. Dies soll durch eine Steigerung der Effizienz bei der Ressourcennutzung erreicht werden.

Zu beachten ist auch, dass es in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität starke Entwicklungen mit verschiedenen Auswirkungen gab.

Während der Wärmebedarf pro m² Wohnfläche in den letzten 20 Jahren um ca. 25% sank, ist die Wohnfläche um annähernd denselben Prozentsatz gestiegen. Ähnlich verhält es sich auch bei Kraftstoffverbrauch und Verkehrsleistung sowie Brennstoffeinsatz pro erzeugter kWh und Stromerzeugung.

Dies stellt einen sog. Rebound-Effekt dar: mögliches Einsparungspotential von Effizienzsteigerungen kann nicht verwirklicht werden, da das optimierte Produkt sehr viel stärker nachgefragt wird.

Beispielhaft hierfür ist der verbrauchs- und leistungsoptimierte Dieselmotor, der dazu führte, dass heute viel schneller und mehr gefahren wird, wodurch der Gesamtverbrauch sogar noch angestiegen ist. Weiterlesen…