University of Limerick – Where the craic is!

Gastautor: A. Schwetka
12. Januar 2011

Ende des Jahres 2008 war es so weit: Die Entscheidung ins Ausland zu gehen und ein Erasmussemester zu absolvieren stand fest. Die Frage war nur noch: Ja wohin denn eigentlich? Um potenziellen Erasmus-Studenten die Entscheidung vielleicht ein bisschen leichter zu machen werde ich im folgenden Artikel meine Zeit an der University of Limerick (Irland) beschreiben.

Zunächst einmal zu meinen eigenen Gründen nach Limerick zu gehen. Ich habe mich natürlich zunächst an meine eigenen Wünsche gehalten. Ich wollte Irland schon immer kennen lernen. Außerdem war einer meiner ausschlaggebenden Gründe, dass es sich hier um „native speaker“ handelte. Weiterhin war ich vom überragenden Angebot an Vorlesungen begeistert. Hierauf war im Nachhinein allerdings wenig Verlass…

University

Zunächst einmal Zahlen und Fakten der University of Limerick. Die Universität an sich ist ziemlich jung und feierte 2009 erst ihren 20tsen Geburtstag. Daraus und aus der regelmäßigen Einweihung von neuen Gebäuden lässt sich schließen, dass sie hervorragend ausgestattet ist. In der Kemmy Business School werden schon beim Eingang auf Flachbildfernsehern die neuesten Business News ausgestrahlt und auf einer separaten Anzeigetafel die wichtigsten Aktienentwicklungen aufgezeigt. Im Entspannungsbereich stehen für pausierende Studierende Ledersofas und Arbeitsplätze zur Verfügung.

Eingang der Kemmy Business School
Eingang der Kemmy Business School

Die Universität ist mit der Studentenanzahl von 13 000 Studierenden ein wenig kleiner als die Universität Kassel.  Flächenmäßig ist sie mit ihren 80 Hektar allerdings um einiges größer. Ca. 5km von Limericks Innenstadt ist der massive Komplex aus Gebäuden, Fontänen, Grünflächen und den Student Apartments gelegen und kann sich vor allem bei Sonnenschein sehr gut sehen lassen. Hinzukommen hervorragende Möglichkeiten unterschiedlichste Sportangebote auszuprobieren. Die University Arena ist der ganze Stolz der Universität und ist nachweislich „Ireland’s largest indoor sport complex“, mit 280 000 m² Sportfläche und dem „National Swimmingpool“. Hier ist allerdings zu erwähnen, dass eine Mitgliedschaft für ein Semester für Studierende 100€ beträgt.

Weitere Besonderheiten sind das Student Health Center, wo man als Studierender ohne weitere Nachfrage umsonst behandelt wird, die hauseigene Kirche, die „University Concert Hall“ mit regelmäßigen Konzerten, Musicals und Aufführungen aller Art, der Spar, die On – Campus Studentenkneipen und unzählige Cafeterias.

Nach dieser Beschreibung ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass die Uni die Nummer 1 in den Studentenrankings in Irland hält.

Der Empfang der University of Limerick war sehr freundlich und warm. Es gab viele Veranstaltungen zum Kennenlernen der anderen Erasmus Studenten und der Universität.

Wahrzeichen und Haupteingang der UL
Wahrzeichen und Haupteingang der UL

Leider war meine Begeisterung über die Auswahl der Kurse verfrüht. Wir sollten bereits im Vorfeld unseres Aufenthaltes unsere Kurse wählen und unser Learning Agreement unterzeichnen. Im Grunde genommen eine gute Sache. So konnte man bereits vorher mit unserer Universität absprechen welche Kurse anrechenbar wären und diese bereits verbindlich wählen. Problematisch war allerdings der Fakt, dass die Vorlesungszeiten nicht angegeben waren. Als ich angekommen bin und uns gezeigt wurde, wie wir unseren Stundenplan zusammenstellen sollten, gab es einige böse Überraschungen. Drei von fünf Kursen konnte ich nicht belegen und dies aus unterschiedlichsten Gründen: Zum einen wurde ein Kurs im Module Booklet aufgeführt aber tatsächlich nicht angeboten. Ein anderer Kurs hat sich überschnitten und zuletzt war ich für den Kurs, auf den ich mich am meisten gefreut habe (Journalistic Writing), nicht zugelassen. Aufgrund der Überfüllung der Kurse im Journalismus wurde allen Erasmusstudierenden verboten an ihnen teilzunehmen. Alles in allem also eine sehr frustrierende Angelegenheit.

Im Nachhinein bin ich mit meinen Alternativkursen sehr zufrieden gewesen. Zum Glück gab es aufgrund der breiten Auswahl an Kursen gute Möglichkeiten Ersatz zu finden.

Die Vorlesungen waren im Großen und Ganzen sehr gut. Kleine Gruppen und gute Diskussionen waren an der Tagesordnung. Die Dozenten waren äußerst hilfsbereit. Eine perfekte Mischung, die es sogar geschafft hat mein Interesse in Econometrics und Wirtschaftsmathematik zu wecken!

Ich habe nur einen Rechtskurs belegt und wurde sehr enttäuscht. Leider kann ich nicht sagen, ob es in allen Rechtskursen so ist, aber das Prinzip bei Labour Law war: mitschreiben! Wortwörtliches mitschreiben von Zitaten (der Richter) und Entscheidungen, als auch (!!!) mitschreiben von Gesetzestexten. Eine ungewöhnliche Art der Lehre und besonders als nicht native Speaker sehr schwer zu verstehen. Diskussionen oder selbstständige Falllösungen gab es nicht. Selbst im Tutorium wurde keine Rücksicht auf Studierende genommen und erwartet, dass man alles versteht. Da die Dozentin allerdings sehr jung war, nehme ich an, dass nicht alle Rechtsveranstaltungen so sind. Es gibt wahrlich eine gute Auswahl!

Foundation Building der UL
Foundation Building der UL

Dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen einen „Fun-Kurs“ zu belegen. Irish Folklore, ein Kurs über die alten Bräuche und Traditionen in Irland. Äußerst spannend und voll bis obenhin mit Erasmus- und Exchange-Studenten, die sich nur zu gerne alte Geschichten und Mythen aus Irland anhörten.

Living

Kurz bevor ich nach Irland gegangen bin, wurde ich (panisch) darauf aufmerksam gemacht, dass Limerick eine gefährliche Stadt sei. Bei einem Staat der EU und einer Stadt von 50 000 Einwohnern kaum vorstellbar. Dennoch hätte ich mich darüber besser informieren sollen. Die Stadt wird auch „Stab City“ genannt, was auf die hohe Anzahl der Messerattacken und einen äußerst lustigen Comedian aus Limerick zurückzuführen ist. Tatsächlich ist Limerick (soweit uns mitgeteilt wurde) die Stadt mit der höchsten Mordrate in der EU. Dennoch kein Grund um panisch zu werden. Wenn man nicht gerade in einem bestimmten Stadtteil unterwegs ist und keine verbotenen Substanzen erwerben möchte, müsste man in Limerick sicher sein… :)

Limerick City am Shannon
Limerick City am Shannon

Zur Wohnungssuche kann ich erwähnen, dass es 2 Möglichkeiten gibt. Die einfachere Möglichkeit ist sicherlich die Anmeldung in einem der Studentenwohnheime. Sie ist allerdings auch eine teure Lösung. Ca. 500 Euro müssen monatlich für ein voll ausgestattetes Zimmer in einer WG gezahlt werden, und die Summe für die gesamte Zeit muss vorher gezahlt werden. Obwohl das Semester eigentlich bereits Mitte Dezember beendet ist, muss noch bis zum 15 Januar gezahlt werden. Die andere Möglichkeit war es auf eigene Faust eine private Unterkunft zu finden. Dies war zu guten Bedingungen auch für 260 Euro/kalt möglich. Ich habe ebenfalls von Personen gehört die es noch günstiger geschafft haben. Nur Mut!

Fun

Wochenendausflug mit dem OPC: Hiking in Killarney
Wochenendausflug mit dem OPC: Hiking in Killarney

Es gab natürlich auch sehr viele und spannende Aktivitäten, denen man in Limerick nachgehen konnte. Hier galt auch das Motto: Nur Mut! Bereits am Anfang des Semesters konnte man sich für wenig Geld in die unterschiedlichsten University Clubs und Vereine eintragen. Vom Schachclub, über den Debatierclub zum Skydiving – Club. Es ist für jeden ist etwas dabei.

Wenn man hier an alle Aktivitäten denkt, die organisiert werden, wundert man sich nicht, dass viele Studenten nicht sehr viel lernen.

Wochenendtrip zum Rockclimbing mit dem OPC
Wochenendtrip zum Rockclimbing mit dem OPC

Die International Society organisierte z.B. Wochenendtrips nach Cork, Dublin, Belfast etc., Partys, Rugby Spiele und viele andere Dinge. Ebenso gibt es einen Outdoor Persuit Club, dem ich beigetreten bin. Wir gingen an den Wochenenden Hiken, Caven, Klettern etc. Ebenso konnten wir für 5€ Kursgebühr pro Semester das gesamte Semester die unieigene (kleine) Kletterhalle benutzten. Ausrüstung etc. war natürlich auch inbegriffen. Für die Fahrten am Wochenende wurden zusätzliche Beiträge von jeweils 8-10€ gezahlt. So konnte man innerhalb weniger Wochen die schönsten Flecken Irlands beim Wandern, Klettern usw. in Begleitung von einem äußerst sympathischen Völkchen mit vielen Geschichten aus alten Zeiten kennenlernen.

Wie man sich sicher denken kann, ist man ständig unterwegs und erlebt viel. Durch die verschiedenen Aktivitäten lernt man sehr schnell neue Leute kennen, die ähnliche Interessen haben. Es wird nie langweilig!

Abschließendes Urteil für mein Auslandssemester in Eire, the land of eternal rain:

„Feckin‘ brilliant craic“!